SLAPSHOT + THE TAKE (17.11.25)

Die „Hang up the boots“ Tour soll nun die Abschiedstour der Bostoner Hardcorelegende Slapshot sein. Da ist natürlich Anwesenheitspflicht für alle Old School Hardcore Fans angesagt. So harrte die rappelvolle ausverkaufte Goldgrube geduldig auf die Vorband, die etwas auf sich warten ließ. The Take ist ein Trio aus berühmten Mitgliedern der amerikanischen Hardcore Szene. Scott Roberts an der Gitarre und am Gesang bekannt von Biohazard, Spudmonsters und Bloodclot!. Hinterm Schlagzeug Mr. Will Shepler ehemals bei Agnostic Front und Madball. Am Bass ist eigentlich Eric Klinger in der Band, aber seit Ende September ’24 hilft hier live Mr. mighty Craig Setari von Sick Of It All aus. Das habe ich nicht gewusst als ich stolz mein Sick Of It All Shirt in der ersten Reihe zur Show trug, was Graig mit einem Lächeln quittierte. Da Sick Of It All zur Zeit auch nicht touren können, weil Lou Koller wegen seiner Krebsbehandlung im Krankenhaus lag. Letzter Stand der Dinge ist, dass Lou krebsfrei ist. Zum Glück und vielleicht finden sie wieder in die Grube zurück. Aber nun zurück zu The Take, die eine Mischung aus New York Hardcore Punk, Oi! und Rock’n’Roll spielen. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschien 2019 und die aktuelle EP „Live For Tonight“ enthält vier Songs und ein Cover des Elton John Songs „Saturday Night Is Alright For Fighting“. Den spielten sie auch live und das Publikum ging schon gut mit. Von der ersten Sekunde stampfte das Schlagzeug mit einem Tempo los, das irgendwo zwischen Old School Hardcore und klasischem Pub Rock angesiedelt war. Darüber legten sich die rauen Gitarrenriffs, mal kantig und NYHC-typisch, mal mit einem fast rockabilly-haften Schwung, der den Songs zusätzlich Drive verlieh. Der Bass brummte tief und trocken, wie man es von Oi! Einflüssen kennt, und hielt die Songs zusammen. Ein guter Auftakt und die Menge wie auch die Location kam auf Temperatur.

Der Umbau ging in windeseile und es war doch noch genügend Zeit, um mit einem Die-Hard-Fan ins Gespräch zu kommen, der nicht nur von Dresden nach Kassel gefahren ist, sondern die ganze letzte Tour mitfährt inklusive den Niederlanden. Wow, das ist Fanliebe. Plötzlich wurde es ganz still und als „Choke“ die Bühne betrat, brach großer Jubel aus. Jack Kelly ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Bostoner Hardcoreband aus dem Gründungsjahr 1985. Somit wurde nicht nur 40 Jahre Bandjubiläum gefeiert, sondern sich zugleich verabschiedet. Mr.Kelly macht es keinen Spaß mehr, wie er es einem Fan in der ersten Reihe punktgenau erklärte. Basta. Schließlich ist er dieses Jahr 60 geworden und das muss jawohl reichen. Ob er sich da zuhause wohl auf Dauer nicht langweile, habe ich so für mich selbst gefragt. Denn er wirkte mehr als fit und durchtrainiert und wer die Shows kennt, weiß, wie er über die Bühne wirbelt. An seiner Seite hatte er Ryan Parker am Bass dabei (kannte ich noch von American War Machine), hinter dem Drumkit saß Corey Koniz und an der Gitarre Tye Tonkin, der in seiner anderen Leidenschaft Coach für Sanda-Kickboxing und Shuai Jiao Wrestling ist. So tobte die Hütte von den ersten Takten an mit, es wurde gepogt was das Zeug hielt und alles mitgegrölt was ging. Insbesondere Klassiker wie „Told You So“, „Back On The Map“ oder „Step On It“. Bei mir im Schrank steht noch die „Blast Furnace“ aus dem Jahr 1993 mit einem untypischen Sound, indem man besonders die Industrial-Einflüsse hört, wie es damals gegeben war. Auch das letzte Album „Make America Hate Again“ knüpft nahtlos an die gute alte Ära an und zeigt, dass der Hardcore noch lebt. Wir waren alle klitschnass geschwitzt, aber extrem glücklich und die Fans stürzten auf die Bühne, um sich für ein Selfie mit der Band anzustellen. Was ein megageiler, hammerstarker, hypergenialer, nie zu vergessener Auftritt der Jungs aus Boston. Ich glaube ja, das da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, wenn er sich in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda anfängt zu langweilen und seine Fans vermisst. ABWARTEN.

 

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