Schon vor dem Eingang war klar: Dieser Abend würde etwas Besonderes. Das Konzert war später restlos ausverkauft und eine Menschenschlange stand auf der Straße an. Drinnen dröhnten bereits die ersten Klänge – ich hatte es nicht rechtzeitig geschafft und Valhalore aus Brisbane, Australien, waren mitten im Set. Kaum war ich durch die Menge gedrängt, fand ich meinen Platz in der ersten Reihe, etwas rechts von der Bühne, bei bekannten Gesichtern, mit der Kamera fest in der Hand. Von hier aus konnte ich jede Bewegung, jeden Schweißtropfen und jedes Lächeln sehen. Das Lächeln stand den Musikern besonders gut, denn sie hatten zum ersten Mal die Gelegeheit in Deutschland aufzutreten und sprühten nur so vor Enthusiasmus und Spielfreude. Ihr epischer Folk Metal füllte die kleine Kasseler Location mit der Wucht von fünf erstklassigen Musikern. Die Flöte von Sophie Christensen tanzte über die donnernden Gitarren, während Sänger Lachlan Neate und Gitarrist Anthony Willis, die Gründungsmitglieder, das Publikum mit ansteckender Leidenschaft führten. Songs aus dem aktuellen Album „Beyond The Stars“ verschmolzen mit Klassikern aus „Voyage Into Eternity“. Gefühlt war das Set viel zu schnell vorbei. Großartiger Auftakt.

Nach kurzer Umbaupause senkte sich ein dunkler Schatten über die Bühne. Dark Oath übernahmen mit fettem, unablässigen Sound. Ihr episch-melodischer Death Metal verband rohe Kraft mit Melodie und Gefühl. Vom Debüt „When Fire Engulfs The Earth“ bis zum aktuellen „Ages Of Man“ zeigten sie eine musikalische Reise voller Kontraste. Besonders die neue Single „The Weaver“ brannte sich ins Gedächtnis – hymnisch, traurig und triumphierend zugleich. Das Publikum tobte und die Hitze in der Halle stieg mit jedem Song. Auch die Portugiesen waren zum ersten Mal auf deutschen Bühnen und Sängerin Sara dominierte das Set.

Dann wurde es atmosphärisch und melancholisch – Waldgeflüster aus München betraten die Bühne. Winterherz, alias Jan van Berlekom, führte die Band mit ruhiger Präsenz, fast wie ein Schamane. Ihre Songs waren keine gewöhnlichen Stücke, sondern Klanglandschaften. Nebel zog auf, das Licht wurde bläulich gedämpft und die Stimmen des Publikums verklangen. Mit jedem Akkord aus „Knochengesänge“ und „Knochengesänge II“, dem taufrischen Doppelrelease vom 7. November, schien die Zeit stillzustehen. Der vorletzte Song „Unter brozenen Kronen“ legte sich wie ein stilles Gebet über die Menge, bevor der Titeltrack „Knochengesänge“ als Abschlussstück noch einmal alle Emotionen freisetzte. Ein kathartischer Moment, den man nicht so schnell vergisst.

Und dann kam der Headliner: Aephanemer aus Toulouse, Frankreich. Mit ihrer Mischung aus symphonischem Glanz und Death-Metal-Wucht erorberten sie die Bühne im Sturm. Songs vom neuen Album „Utopie“ (erschienen am 31.Oktober) ließen das Publikum jubeln, mitklatschen und headbangen. Sie spielten komplett Utopia I und Utopia II, als Zugabe gab es „Bloodline“. Die orchestralen Elemente verschmolzen mit messerscharfen Riffs und die Band zeigte, wie perfekt Virtuosität und Gefühl Hand in Hand gehen können. Wie mühelos die zierliche Sängerin von Growls in opernartige Stimmlage wechseln konnte, war mehr als beeindruckend. Jede Note war präzise, jede Geste ehrlich. Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Abends.

