GUTALAX + REPRESSED (15.8.2025)

Die Hardcore/Death-Metal-Band Repressed aus Kassel und Marburg eröffnete den Abend mit einem druckvollen Set, das deutlich machte, wie sehr die fünf Musiker seit ihrer Gründung 2018 an Profil gewonnen haben. Bekannt geworden mit ihren EPs Desist (2020) und Chapters Of Dissimulation(2022), präsentierten sie nun auch Songs von ihrer am 11. Juli 2025 erschienenen dritten Veröffentlichung „Spiral“. Live zeigte sich schnell, dass die Band auf dem neuen Material stärker in Richtung Death Metal tendiert. Das Ergebnis: ein Sound, der noch härter und massiver wirkt, ohne dabei in alte Hardcore-Schemata zurückzufallen. Julian Göttlich überzeugte mit kraftvollem Gesang, der sowohl Growls als auch Screams souverän abdeckte. Zwischen den Songs überraschte er allerdings mit charmant-lieblichen, fast schon freundlichen Ansagen, die einen spannenden Kontrast zur Härte der Musik bildeten – ein Detail, das viele im Publikum zum Schmunzeln brachte. Thorben Spindler am Bass und Nick Meyer am Schlagzeug sorgten für ein solides Fundament; Meyer trat dieses Mal weniger exzentrisch auf, ohne das zuvor gewohnte auffällige Outfit, dafür umso konzentrierter hinter seinem Kit. An den Gitarren lieferten Sebastian Balk und Emanuel Oropesa messerscharfe Riffs und Breakdowns – wobei besonders Oropesa auffiel, da er keine Sekunde stillhielt, permanent über die Bühne fegte und die Energie direkt ins Publikum zurückspiegelte. So gelang es Repressed, die Menge von Beginn an in Bewegung zu bringen und die Spannung für den weiteren Verlauf des Abends deutlich anzuheizen. Die Mischung aus kompromissloser Härte und den fast schon liebenswürdigen Ansagen von Julian schuf eine ungewöhnliche, aber äußerst einnehmende Atmosphäre. Als schließlich Gutalax die Bühne betraten, war das Publikum bereits bestens vorbereitet – aufgedreht, durchgeschwitzt und voller Vorfreude. Repressed hatten ihre Rolle als Opener mit Bravour erfüllt: Sie waren nicht nur der passende Anheizer, sondern auch ein eigenständiges Highlight des Abends, besonders für mich.

Nach der intensiven Eröffnung durch Repressed war es Zeit für das Spektakel, auf das alle gewartet hatten: Gutalax aus Tschechien, die Meister des „Klo-Grindcore“, feierten an diesem Abend nicht nur ihren Auftritt, sondern zugleich ihr 15-jähriges Bandbestehen. Schon die Ankündigung des Konzerts hatte für enorme Resonanz gesorgt – die Show war im Nu ausverkauft. Statt der eigentlich möglichen 200 Tickets entschied man sich bewusst für nur 150 Gäste, damit auf der Tanzfläche genügend Platz zum ausgelassenen Feiern blieb. Und ausgelassen wurde es sofort: Die Musiker betraten die Bühne in ihren typischen weißen Schutzanzügen, einer davon mit Atemschutzmaske, der Sänger wie gewohnt mit seiner markanten Schweißerbrille. Mit dem ersten Ton brach eine Feier los, die mehr einem anarchischen Happening als einem gewöhnlichen Konzert glich. Klobürsten, aufblasbare Utensilien aller Art und natürlich reichlich Toilettenpapier, das wie Schneeflocken durch den Raum wirbelte, gehörten zur Grundausstattung. Bemerkenswert war auch, dass Teile des Publikums den Spaß mitmachten: Einige Fans trugen ebenfalls weiße Overalls, zwei Besucher tauchten sogar stilecht im kompletten OP-Outfit mit Haarnetz und Hygienefüßlingen auf – ein Bild, das den absurden Charme des Abends perfekt einfing. Musikalisch lieferten Gutalax genau das, was die Szene seit Jahren liebt: ultrakurze, druckvolle Grindcore-Songs, dazu der mittlerweile legendäre „Schnorchelgesang“, der jedes Mal für kollektives Gelächter und euphorische Rufe aus dem Publikum sorgt. Das Ganze wirkte weniger wie ein Konzert, sondern mehr wie eine Feier im Ausnahmezustand, bei der jede Sekunde etwas Neues durch den Raum flog, jemand tanzte, lachte oder mitgröhlte. Nach einer Stunde war die Halle ein einziges Chaos aus verschwitzten Körpern, Klopapierfetzen und glücklichen Gesichtern. Gutalax hatten wieder einmal bewiesen, dass sie mit ihrem absurd-sympathischen Konzept keine Grenzen kennen und dass Grindcore auch ein großes, ausgelassenes Fest sein kann.

 

 

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