ANAL VOMIT + TOTAL ANNIHILATION (15.7.2025)

Normalerweise ist in der Goldgrube um 19:30 Einlass und Beginn um 20:00. Da ich gerne zeitig komme, um noch in Ruhe ein Bierchen zu trinken und der Start auf halb neun verschoben wurde, blieb genügend Zeit, mich mit den neuen Soundmenschen für die „harten Sachen“ zu unterhalten. Herr Daniel Daza Galvis, 41 Jahre jung und 2022 aus Kolumbien nach Deutschland gekommen. Er wollte sich als Tontechniker weiterentwickeln und ist freiberuflich unterwegs. Tagsüber mischt er die Sprechstimmen bei Rednern auf Firmenkongressen und abends die Metalbands für die Grube. Die erste Band, die er hier mixte, war 2024 Exciter. Doch in der Unterhaltung wurde schnell klar, dass seine Musikkenntnisse, sowie sein persönlicher Musikgeschmack breit gefächert sind. So kam auf meinen Wunsch „Cynic“ nochmal zu sehen, sofort die progressive Musikempfehlung „Planet X“ mit einem Virgil Donati am Schlagzeug. Das sagt alles – freut euch weiterhin auf einen fetten und gut gemischten Sound.

Davon profitierte natürlich sofort die Vorband, die extrem gut ablieferte. Total Annihilation aus Basel/Schweiz haben mit ihrer Mischung aus Thrash- und Death-Metal die Bühne regelrecht zerlegt. Seit 2006 aktiv und mit dem zuletzt erschienen Album …On Chains Of Doom(2020) unterwegs, zeigten sie eindrucksvoll, dass sie weit mehr sind als ein Opener. Daniel Altwegg brüllte sich die Seele aus dem Leib, während Nicolas Stelz an der Leadgitarre mit messerscharfen Soli glänzte. Jürgen Schmid und Niggi Denger lieferten das groovende Fundament, doch das wahre Kraftwerk saß hinterm Schlagzeug: Michael Lautenschläger. Leider kaum sichtbar hinter seinem wuchtigen Drumkit. So sehr, dass ich ihn nach der Show um ein paar Fotos direkt am Set bat. Total Annihilation haben den Abend nicht nur eröffnet, sie haben ihn überrollt. Die Zugabe gab es bei Krach aus dem Publikum – kein Problem. So wurde noch das schnelle und harte „The Art of Torture“ geknüppelt. Applaus und Gejubel.

Anal Vomit aus Lima, Peru – seit 1992 aktiv im Black/Death Metal – feierten das 20-jährige Jubiläum ihres Kultalbums „Demoniac Flagellations“ mit einem kompletten Live-Set des Albums. Und was da auf der Bühne los war, hatte mit den seelenlosen Sounds digitaler Streamingdienste rein gar nichts zu tun. Vom ersten Ton an brach ein unerwartetes Höllenfeuer los – roh, chaotisch, brachial böse. Jano „Evil Priest“ am Bass schrie von unten ins Mikro als käme die Stimme direkt aus der Hölle. Gitarrist Roy Noizer (seit ’97 dabei) lieferte messerscharfe Riffs und sägende Leads, während Joe Hoyle die Drums wie ein Berserker verprügelte. Mit Black Curse-Shirt und Nackenstarre war ich bestens für dieses Ritual gerüstet. Die Energie, die Brutalität, das Unmittelbare – einfach jenseits von allem Erwartbaren. Keine Show, kein Schnickschnack, nur pures Black Metal Inferno. Anal Vomit haben bewiesen, dass ihr Sound nach wie vor alles zerschmettert. Das hätte ich so nicht erwartet. Was ein infernalischer Clubgig!

 

 

 

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